{"id":25343,"date":"2026-02-10T17:41:28","date_gmt":"2026-02-10T16:41:28","guid":{"rendered":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/?p=25343"},"modified":"2026-02-12T18:13:29","modified_gmt":"2026-02-12T17:13:29","slug":"besuch-des-kz-neuengamme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/2026\/02\/10\/besuch-des-kz-neuengamme\/","title":{"rendered":"Besuch der KZ-Gedenkst\u00e4tte Neuengamme"},"content":{"rendered":"<p data-start=\"78\" data-end=\"332\">1944. Ein junger Mann, 18 Jahre alt, lebt in Prag. Er steht stellvertretend f\u00fcr die politisch Verfolgten w\u00e4hrend der NS-Regierung. Er ist Teil einer Organisation, welche die Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Judenvergasung aufkl\u00e4rt. In dieser Nacht wird er verhaftet und zusammen mit 70 bis 80 Menschen in einem Waggon weggebracht. Noch wei\u00df er nicht, wohin. Eine Woche sp\u00e4ter kommt er an einem Bahnhof an, wird mit den Anderen aus dem Waggon zu den Registraturbaracken gedr\u00e4ngt und bekommt dort eine Nummer und einen roten Winkel &#8211; er ist ein politischer Gegner, der sich jetzt im Konzentrationslager Neuengamme befindet. Jetzt beginnen die schlimmsten Monate seines Lebens: Schlafen in einer stickigen, stinkenden Holzbaracke, zusammen mit zwei Anderen in einem Bett. 12 Stunden Arbeit in der Tongrube, sp\u00e4ter in der ,,Verwaltung Deutsche Stein und Erde\u201c. T\u00e4glich sterben Mith\u00e4ftlinge. K\u00e4lte, Hunger, Schmerzen und Unmenschlichkeit.<\/p>\n<p data-start=\"78\" data-end=\"332\">Am 05.02.2026 besuchten wir, die 10. Klassen, das Konzentrations- bzw. Arbeitslager Neuengamme im Rahmen des Geschichtsunterrichtes. So wie dem jungen Mann im Beispiel und teilweise noch viel schlimmer, erging es dort \u00fcber 100.000 Menschen aus \u00fcber 12 verschiedenen L\u00e4ndern. Ab 1938 war das Konzentrationslager Neuengamme aktiv, ab 1940 war es dann eigenst\u00e4ndig mit etwa 80 Au\u00dfenlagern. Nicht nur politisch Verfolgte, sondern auch Juden, Homosexuelle, Sinti und Roma, Swing Kids und viele weitere Menschengruppen, die von der SS als wertlos angesehen wurden, arbeiteten und starben hier. Die Arbeit bestand aus extremen k\u00f6rperlichen Aufgaben unter h\u00e4rtesten Bedingungen. Dazu z\u00e4hlten u.a. die Arbeit in der Tongrube, im Klinkerwerk, in Metallwerken wie den ,,Walther Werken\u201c und das Ausbauen eines Kanals. In unserer privilegierten Situation ist es unm\u00f6glich, sich dieses entw\u00fcrdigende Leid<br \/>\nvorzustellen: Wie muss es den 100.000 H\u00e4ftlingen blo\u00df ohne richtige Kleidung, mit st\u00e4ndigem Hunger, unter Schmerzen und ums \u00dcberleben k\u00e4mpfend ergangen sein? Die Holzbaracken, in denen die H\u00e4ftlinge geschlafen haben, wurden abgebrannt, aber dank Steinumrandungen k\u00f6nnen wir uns zumindest die Gr\u00f6\u00dfe der Baracken vorstellen. Sie wirken viel zu klein f\u00fcr rund 300 bis 700 Menschen pro Baracke. Krankheiten breiteten sich schnell aus, doch in die Krankenbaracke wollte man nur im gr\u00f6\u00dften Notfall gehen. Denn dort wurden Versuche an den H\u00e4ftlingen durchgef\u00fchrt, anstatt dass ihnen geholfen wurde.<\/p>\n<p data-start=\"78\" data-end=\"332\">Eine Baracke, die auch heute noch steht, ist eine kleinere, die zur besonderen Bestrafung diente. Kleine, dunkle Zellen und Gewalt. Aber vor allem wurde hier zum ersten Mal die Vergasung mit Zyklon B, welches sp\u00e4ter zum Hauptmittel f\u00fcr die Massenmorde wurde, getestet. Uns wird auch der Ort gezeigt, an dem die SS-Soldaten gewohnt haben. Es ist gruselig und wirkt fast schon unwirklich, dass sie sich nur wenige Meter hinter dem Stromzaun befanden und trotzdem so anders lebten. Hier gab es Privatsph\u00e4re, W\u00e4rme und gutes Essen. Am Ende unserer F\u00fchrung besuchen wir noch das Haus des Gedenkens. An den W\u00e4nden dieses Hauses h\u00e4ngen Listen mit den Namen derer, die im Konzentrationslager Neuengamme zwischen 1938 bis 1945 ums Leben kamen. Die Namen derer, die unter der SS-Regierung im schlimmsten Sinne litten.<\/p>\n<p data-start=\"78\" data-end=\"332\">Diese und die vielen anderen Millionen von Menschen, die in den anderen Konzentrationslagern ihr Leben lassen mussten, d\u00fcrfen wir auch heute nicht vergessen. Denn wir tragen die Verantwortung daf\u00fcr, dass sich so eine schreckliches, entmenschlichendes und faschistisch veranlagtes Ereignis nicht wiederholt. Wenn Margot Friedl\u00e4nder, als Holocaust-\u00dcberlebende, also sagt: ,,Es gibt nur menschliches Blut\u2018\u2018, sollte jeder und jede von uns ihr Anliegen nicht nur anh\u00f6ren, sondern als einen Auftrag verstehen.<\/p>\n<p data-start=\"57\" data-end=\"403\"><b>Verfasst von: Juli Bernhardt (10FS)<\/b><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1944. Ein junger Mann, 18 Jahre alt, lebt in Prag. Er steht stellvertretend f\u00fcr die politisch Verfolgten w\u00e4hrend der NS-Regierung. Er ist Teil einer Organisation, welche die Bev\u00f6lkerung \u00fcber die Judenvergasung aufkl\u00e4rt. In dieser Nacht wird er verhaftet und zusammen mit 70 bis 80 Menschen in einem Waggon weggebracht. Noch wei\u00df er nicht, wohin. 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