{"id":19333,"date":"2024-06-10T20:32:43","date_gmt":"2024-06-10T18:32:43","guid":{"rendered":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/?p=19333"},"modified":"2024-06-10T20:32:43","modified_gmt":"2024-06-10T18:32:43","slug":"eindruecke-von-der-eu-wahldebatte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/2024\/06\/10\/eindruecke-von-der-eu-wahldebatte\/","title":{"rendered":"Eindr\u00fccke von der EU-Wahldebatte"},"content":{"rendered":"<p>Die Wahldebatte hat nachtr\u00e4glich viel losgesto\u00dfen, der 12. Jahrgang war sp\u00fcrbar politisiert und diskutierte auch noch Tage danach die Eindr\u00fccke von unserer Wahldebatte. Diese Eindr\u00fccke wurden nun vom Leistungskurs Politik-Wirtschaft pointiert als Kommentar zusammengefasst.<\/p>\n<p><strong>Eindruck von Jakob Blankenburg (SPD)<\/strong><\/p>\n<p>Schon vor Beginn der Podiumsdiskussion fiel mir auf, wie angeregt und herzlich sich die Kandidaten unterhielten, als ob sie sich seit Jahren kennen w\u00fcrden. Dieses freundliche Miteinander war ein vielversprechender Auftakt f\u00fcr die Veranstaltung.<\/p>\n<p>Im Zentrum meiner Aufmerksamkeit w\u00e4hrend der Diskussion stand Jakob Blankenburg, der die SPD vertrat. Blankenburg ist zwar kein Direktkandidat f\u00fcr das Europaparlament, aber er hat einen Sitz im Bundesrat, was ihm eine wichtige politische Rolle verleiht. Bereits bei der Er\u00f6ffnung der Veranstaltung durch Stilla zeigte sich seine positive Einstellung. Stilla hob hervor, dass erstmals auch 16-J\u00e4hrige w\u00e4hlen d\u00fcrfen, und betonte: \u201eAuch junge Leute d\u00fcrfen w\u00e4hlen und das ist auch wichtig.\u201c Blankenburg l\u00e4chelte zustimmend und nickte, offensichtlich erfreut, wieder hier am Johanneum zu sein, wo er schon einmal an einer Diskussion teilgenommen hatte.<\/p>\n<p>Die erste Spielrunde der Diskussion begann mit einer Vorstellung der Parteien durch die Kandidaten. Jakob Blankenburg beschrieb die SPD mit dem Begriff \u201esozial\u201c. Diese Wahl spiegelte seine \u00dcberzeugung wider, dass soziale Themen im Mittelpunkt seiner politischen Arbeit stehen \u2013 ein Thema, das w\u00e4hrend der Diskussion mehrfach aufgegriffen wurde.<\/p>\n<p>Ein besonders unterhaltsamer Moment ereignete sich, als die Icebreaker-Fragen gestellt wurden. Die Kandidaten mussten mit einfachen \u201eJa\u201c oder \u201eNein\u201c-Schildern antworten. Auf die Frage, wer mehr als eine europ\u00e4ische Fremdsprache spricht, hoben alle Kandidaten sofort das \u201eJa\u201c-Schild \u2013 au\u00dfer Blankenburg. Er gab zu, dass er keine weiteren Sprachen beherrscht, was das Publikum zum Lachen brachte und die Stimmung auflockerte.<\/p>\n<p>Als es zu den ernsteren Fragen \u00fcberging und die erste These vorgelesen wurde, zeigte Blankenburg eine andere Seite. Er machte sich ernsthaft Notizen und vertiefte sich in die Diskussion.<\/p>\n<p>In einer weiteren Spielrunde sollten sich die Kandidaten einen Superhelden aussuchen, der zu ihrer Partei passt. Jakob Blankenburg entschied sich schnell und pr\u00e4sentierte das Bild der PawPatrol. Dazu erkl\u00e4rte er, dass jeder seine eigenen St\u00e4rken hat und man am besten Probleme l\u00f6sen kann, wenn man zusammen arbeitet. PawPatrol l\u00f6ste zwar Belustigung im Publikum aus, spiegelt jedoch wirklich die sozialen Grundwerte der SPD wieder.<\/p>\n<p>Auch nach der Diskussion versicherte Blankenburg uns, wie wichtig es ist, auch j\u00fcngeren Generationen Geh\u00f6r zu schenken und sie in politische Prozesse einzubinden. Sein offener Umgang mit den Fragen und seine Bereitschaft zur Diskussion trugen zu einem lebhaften und konstruktiven Austausch bei.u<\/p>\n<p><strong>Eindruck von Lena D\u00fcpont (CDU)<\/strong><\/p>\n<p>Lena D\u00fcpont, Abgeordnete des Europaparlaments in Br\u00fcssel von der CDU f\u00fcr die EVP (Europ\u00e4sische Volkspartei) war zu Gast bei unserer Podiumsdebatte am vorletzten Donnerstag (dem 30.Mai). Schon zu Beginn fiel sie mit ihren zum Teil provokanten Antworten auf: Nachdem Jakob Blankenburg auf die Frage, mit welchem Anfangsbuchstaben seiner Partei\/ seines Namens er die eigene Position beschreiben w\u00fcrde, mit dem Wort \u201esozial\u201c antwortete, stichelte sie, dass sie es sich nicht so einfach mache, und die Position der CDU mit \u201echristlich\u201c beschreibe. Stattdessen sei es in der Politik wichtig, voneinander und miteinander zu \u201elernen\u201c (wie Lena). Die Frage, ob sie bereit w\u00e4ren, sich die EU-Flagge zu t\u00e4towieren, beantwortete Lena D\u00fcpont als Einzige mit ja.<\/p>\n<p>Auch wenn sie in einzelnen Themenbereichen fachlich kompetent wirkte und ihre Erfahrung im Europaparlament mehrfach offensichtlich wurde, fiel auf, dass die Sch\u00fclerInnen bei ihren Redeanteilen h\u00e4ufig tuschelten und unruhig wurden. Das k\u00f6nnte daran liegen, dass Lena D\u00fcpont, im Gegensatz zu beispielsweise Blankenburg und Ulrich, sich nicht so klar und verst\u00e4ndlich ausdr\u00fcckte, wie es f\u00fcr das an Sch\u00fclerInnen gerichtete Format angemessen gewesen w\u00e4re. Au\u00dferdem reagierte sie bei Redeanteilen ihrer MitstreiterInnen oft mit Augenverdrehen, Kopfsch\u00fctteln oder gereizten Antworten, anstatt aufmerksam und respektvoll zuzuh\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Eindruck von Dirk-Claas Ulrich (Gr\u00fcne)<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen haben als ihren Vertreter den bereits als Europaparlaments-Abgeordneter t\u00e4tigen Dirk-Claas Ulrich zu uns in die Debatte eingeladen.<br \/>\nSowohl in seinen politischen Statements als auch in den Begr\u00fc\u00dfungsreden betonte er stets die Signifikanz des sozial-\u00f6kologischer Themen und appellierte an<br \/>\nalle Zuh\u00f6renden, ihre Stimme bei der EU-Wahl geltend zu machen. Die Frage nach seinem pers\u00f6nlichen Superhelden beantwortete er mit Luk Skywalker, er zitierte die Referenz: \u201eM\u00f6ge die Macht mit Dir sein.\u201d Im Verlauf der Debatte \u00e4u\u00dferte er insbesondere bei der Frage nach erneuerbaren Energien als zukunftsf\u00e4higen Rohstoff gro\u00dfe Zustimmung. Er betont, die EU solle langfristig in jene Umweltprojekte investieren und von Atom- sowie Kohlekraftwerken Abstand nehmen. Ebenso erinnerte er sowohl bei den Fragen nach Migration und Sicherheit im Hinblick auf Grenzkontrollen, welche von unabl\u00e4ssiger Bedeutung f\u00fcr die Sicherheitspolitik sei, an die Vereinbarkeit mit den EU-Werten. Zwar sorge eine EUArmee f\u00fcr langfristige Sicherheit, gleichzeitig problematisiert er das Sponsoring des R\u00fcstungskonzerns Rheinmetall vom BVB Dortmund. In dieser Hinsicht gelte es f\u00fcr die Gr\u00fcnen im EU-Parlament in der kommenden Legislaturperiode also, den<br \/>\nFrieden st\u00e4rker zu sch\u00fctzen, allerdings sollten Bedrohungen durch Krieg nicht destigmatisiert werden.<br \/>\nWir danken Dirk-Claas Ulrich f\u00fcr seine Teilnahme und das vielf\u00e4ltige Meinungsbild.<\/p>\n<p><strong>Eindruck von Marianne Esders (Die Linke)\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Menschenrechte. Dieses Wort verbindet Marianne Esders mit dem Anfangsbuchstaben ihres Vornamen. Sie sagt, diese seien in der aktuellen Linie der EU unterrepr\u00e4sentiert und sollten viel st\u00e4rker in den Fokus ger\u00fcckt werden. Das zeigte sie auch in der Debatte um die Grenzkontrollen der EU, die sie, insbesondere in der aktuellen Version, als eine Missachtung eben jener versteht. Feminismus sei ihr auch sehr wichtig, was sie darin \u00e4u\u00dferte, dass sie Wonder Woman<br \/>\naussuchte, um auf einen Mangel an Superheldinnen in der Auswahl aufmerksam zu machen. Das stie\u00df im Publikum zum einen auf Jubel und zum anderen auf Schnauben, verbunden mit Augenrollen. Sie kritisierte, die AFD bringe nur provokative Argumente, um nicht inhaltlich auf Punkte einzugehen. Kurz zuvor hatte sie die Nachfrage eines Sch\u00fclers um die Abwanderung von Unternehmen bei zu hohen Steuern als \u201eAFD-Argument\u201c abgetan, blieb einer wirklichen sachlichen Erkl\u00e4rung danach aber schuldig. Sie ist au\u00dferdem f\u00fcr erneuerbare Energien, statt fossilen Brennstoffen, sowie f\u00fcr einen sog. \u201eSocial-Greendeal\u201c, bei dem z.B. Arbeitnehmer in der Umstrukturierung von Unternehmen mitgenommen und Umweltschutz nicht auf Kosten von Sozialer Sicherheit und Arbeitspl\u00e4tzen betrieben<br \/>\nwerden soll. Sie war die einzige der f\u00fcnf Vertreter*innen, die sich gegen eine Europ\u00e4ische Armee aussprach, denn sie ist der Meinung, man k\u00f6nne Frieden auch ohne eigene Waffen schaffen.<\/p>\n<p><strong>Eindruck von Frank J\u00e4ger (FDP)<\/strong><\/p>\n<p>In der Vorstellungsrunde bekannte sich der FDP-Kandidat als Politik-Neuling. Er habe 17 Jahre in S\u00fcdfrankreich gelebt, wodurch er die EU besonders wertsch\u00e4tzen gelernt hat und ist erst vor drei Jahren nach Deutschland zur\u00fcckkehrt. Anschlie\u00dfend ist er in die FDP eingetreten, um Europa selber mitzugestalten. Als Adjektiv um seine Partei zu beschreiben w\u00e4hlte er \u201efrei\u201c und betonte, dass es f\u00fcr ihn vor allem \u201eSelbstbestimmtheit, Diversit\u00e4t und Eigenverantwortung\u201c bedeute.<\/p>\n<p>Bei der Frage, ob es ein kostenloses, europaweites Zugticket f\u00fcr Jugendliche geben sollte, z\u00f6gerte der FDP-ler und wartete die Antworten der anderen Kandidaten ab, bis er sie anschlie\u00dfend, genau wie diese bejahte. Dies und die Aussage, dass nicht Deutschland, sondern Frankreich die EM gewinnen w\u00fcrde, sorgten f\u00fcr zahlreiche Lacher, aber auch Gemurmel aus dem Publikum.<\/p>\n<p>Dem Statement, dass erneuerbare Energien weiter gef\u00f6rdert und ausgebaut werden sollten, stimmte Frank J\u00e4ger, wie auch die anderen Kandidaten, eindeutig zu und bekr\u00e4ftigte, dass auch seine Partei vorhat die Ziele des \u201eGreen-Deal\u201c so schnell wie m\u00f6glich zu erreichen. Allerdings betonte er, dass man diese durch B\u00fcrokratieabbau, z.B. bei Genehmigungen, sowie Technologie-Offenheit und Zusammenarbeit mit Betroffenen erreichen m\u00f6chte. Bei einer Nachfrage aus dem Publikum, f\u00fcgte er au\u00dferdem hinzu, dass die Investitionen in den Energiesektor nicht nur von Staatsseite, sondern auch von privater Hand kommen sollen, wof\u00fcr Anreize geschaffen werden m\u00fcssten.<\/p>\n<p>Beim Thema einer gemeinsamen europ\u00e4ischen Armee, forderte der FDP-Politiker mehr EU-weite Initiativtruppen und einen Kommissar f\u00fcr Verteidigung, welches er mit dem Ukraine-Krieg, sowie der Drohung Donald Trumps, dass die USA aus der NATO austreten werde, begr\u00fcndete. Der Publikumsfrage, ob denn eine gemeinsame Armee angesichts Russlands \u00fcberhaupt n\u00f6tig sei, stellte er entgegen, dass Putin vorhabe die ehemalige Soviet-Union wiederherzustellen und nach der Ukraine nicht stoppen werde.<\/p>\n<p>Dem Statement, dass die Binnengrenzen aufgrund illegaler Migration wieder kontrolliert werden m\u00fcssten, stand Frank J\u00e4ger jedoch entschlossen entgegen. Seiner Auffassung w\u00fcrden Grenzkontrollen schon an den Au\u00dfengrenzen nichts n\u00fctzen und man m\u00fcsse eine andere Herangehensweise w\u00e4hlen, wie z.B ein Frachkr\u00e4fteeinwanderungsgesetz. Dadurch w\u00fcrde man Fachkr\u00e4ften eine sichere Alternative zu Schleusern bieten und diese k\u00f6nnten bei ihrer Ankunft direkt hier arbeiten, wodurch insgesamt Druck von der irregul\u00e4ren Migration genommen werden soll.<\/p>\n<p>Zu der Frage eines Sch\u00fclers, wie man Rechtsextremismus bek\u00e4mpfen k\u00f6nne, meinte J\u00e4ger, dass man sich fragen m\u00fcsse, warum Menschen \u00fcberhaupt rechtsextreme Parteien w\u00e4hlen und sprach sich klar daf\u00fcr aus, dass man diesen mit guten Argumenten in Podiumsdiskussionen entgegentreten muss und nicht ausweichen solle.<\/p>\n<p>Beim Abschluss w\u00e4hlte der FDP-Politiker die Schlagzeile \u201eWir sind die Vereinigten Staaten von Europa\u201c, welche f\u00fcr ihn keineswegs f\u00fcr eine Gleichmachung der einzelnen L\u00e4nder und deren Kultur, sondern f\u00fcr die gemeinsame St\u00e4rke durch die Vielfalt in Europa, stehe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Bericht zur Wahldebatte:<\/strong><\/p>\n<blockquote class=\"wp-embedded-content\" data-secret=\"oAQxqWtLVL\"><p><a href=\"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/2024\/05\/30\/superhelden-eu-armee-und-eu-flagge-auf-dem-unterarm-spannende-eu-wahldebatte-vor-dem-12-jahrgang\/\">Superhelden, EU-Armee und EU-Flagge auf dem Unterarm: Spannende EU-Wahldebatte vor dem 12. Jahrgang<\/a><\/p><\/blockquote>\n<p><iframe loading=\"lazy\" class=\"wp-embedded-content\" sandbox=\"allow-scripts\" security=\"restricted\" style=\"position: absolute; clip: rect(1px, 1px, 1px, 1px);\" title=\"&#8222;Superhelden, EU-Armee und EU-Flagge auf dem Unterarm: Spannende EU-Wahldebatte vor dem 12. Jahrgang&#8220; &#8212; Gymnasium Johanneum L\u00fcneburg\" src=\"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/2024\/05\/30\/superhelden-eu-armee-und-eu-flagge-auf-dem-unterarm-spannende-eu-wahldebatte-vor-dem-12-jahrgang\/embed\/#?secret=3OdN2jm3pn#?secret=oAQxqWtLVL\" data-secret=\"oAQxqWtLVL\" width=\"600\" height=\"338\" frameborder=\"0\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" scrolling=\"no\"><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wahldebatte hat nachtr\u00e4glich viel losgesto\u00dfen, der 12. Jahrgang war sp\u00fcrbar politisiert und diskutierte auch noch Tage danach die Eindr\u00fccke von unserer Wahldebatte. 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