{"id":13950,"date":"2023-07-02T20:06:02","date_gmt":"2023-07-02T18:06:02","guid":{"rendered":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/?page_id=13950"},"modified":"2023-07-02T20:06:50","modified_gmt":"2023-07-02T18:06:50","slug":"grundzuege-der-philosophie-heinemanns","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/grundzuege-der-philosophie-heinemanns\/","title":{"rendered":"Grundz\u00fcge der Philosophie Heinemanns"},"content":{"rendered":"<section class=\"l-section wpb_row height_auto\"><div class=\"l-section-h i-cf\"><div class=\"g-cols vc_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-12 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Heinemanns Aufmerksamkeit galt besonders der Existenzphilosophie bzw. dem Existentialismus. Er verwendete den Ausdruck \u201eExistenzphilosophie\u201c zum ersten Mal 1929 als Kennzeichnung einer neuen Richtung in der Philosophie, auch wenn er den Begriff selbst nicht pr\u00e4gte.<\/p>\n<\/div><\/div><div class=\"w-tabs layout_hor style_default switch_click has_scrolling\" style=\"--sections-title-size:1em\"><div class=\"w-tabs-list items_2 align_none\"><div class=\"w-tabs-list-h\"><button class=\"w-tabs-item active\" aria-controls=\"content-f743\" aria-expanded=\"false\"><span class=\"w-tabs-item-title\">Kritik der Existenzphilosophie<\/span><\/button><button class=\"w-tabs-item\" aria-controls=\"content-cdc8\" aria-expanded=\"false\"><span class=\"w-tabs-item-title\">Der Mensch als antwortendes Wesen<\/span><\/button><\/div><\/div><div class=\"w-tabs-sections titles-align_none icon_chevron cpos_right\"><div class=\"w-tabs-section active\" id=\"f743\"><button class=\"w-tabs-section-header active\" aria-controls=\"content-f743\" aria-expanded=\"true\"><div class=\"w-tabs-section-title\">Kritik der Existenzphilosophie<\/div><div class=\"w-tabs-section-control\"><\/div><\/button><div  class=\"w-tabs-section-content\" id=\"content-f743\"><div class=\"w-tabs-section-content-h i-cf\"><div class=\"g-cols wpb_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-12 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Heinemanns Aufmerksamkeit galt besonders der Existenzphilosophie bzw. dem Existentialismus. Er verwendete den Ausdruck \u201eExistenzphilosophie\u201c zum ersten Mal 1929 als Kennzeichnung einer neuen Richtung in der Philosophie, auch wenn er den Begriff selbst nicht pr\u00e4gte. Die \u201eneuen Wege\u201c dieser Philosophie sah er darin er\u00f6ffnet, dass die Philosophie zum Leben und zu den Sachen selbst durchstie\u00df und nicht in abstrakter Rationalit\u00e4t gleichsam \u201eirrational\u201c in der Luft h\u00e4ngenblieb. Philosophie sollte sich mit der Lebendigkeit des Lebens auch in seinen sinnlichen Aspekten (Natur, Kunst, Gef\u00fchl) besch\u00e4ftigen, nicht mit reinen \u201eVerstandesthemen\u201c. Seine Skepsis gegen\u00fcber der durchrationalisierten Technikwelt und der entpersonalisierenden Massengesellschaft gr\u00fcndete auf seiner tiefen Empfindung vom Bankrott des rechnenden Verstandes. Dieses Gef\u00fchl verband ihn einerseits mit manchen Vertretern der Existenzphilosophie. Andererseits reichten ihm die Entw\u00fcrfe und Systeme der Existenzphilosophie nicht aus.<\/p>\n<p>Angesichts der Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die den grausigen Abgrund der Sinn- und Orientierungslosigkeit und \u201edas Nichts in seiner menschenmordenden Form\u201c enth\u00fcllten, und angesichts der krisenhaften Spannungen in der Welt nach 1945 stellte sich f\u00fcr Heinemann die Frage, ob der Existentialismus auch lebbar oder nur ein nachdenkenswertes philosophisches Programm sei. War der Existentialismus im Zeitalter der totalit\u00e4ren Ideologien, der Atombombe, der Entwurzelungen und Vertreibungen noch zu \u201egeistiger F\u00fchrerschaft\u201c f\u00e4hig? Auch andere geistige Angebote hatten nach Heinemann versagt und zur weiteren Entfremdung des Menschen von sich und vom Leben gef\u00fchrt. Die Spezialisierung der Wissenschaften erzeuge ein geistiges Vakuum, das Christentum habe keine Antworten mehr, der Marxismus habe sich selbst als unterdr\u00fcckerische Lehre erwiesen und der Positivismus habe das rationale Denken und die Technik an die oberste Stelle gesetzt. Die Technik inklusive des Computers sei selbst bedrohlich geworden, auch Kunst und Musik definierten sich nur noch durch technisch-methodisches K\u00f6nnen, so da\u00df unsere Kultur als solche bedroht sei.<\/p>\n<p>An Husserl, den er pers\u00f6nlich kannte, (der aber eigentlich kein Existenzphilosoph ist), kritisierte er die Unm\u00f6glichkeit einer reinen Bewusstseinsphilosophie und das Fehlen eines \u201egesunden Menschenverstandes\u201c. An Jaspers kritisiert er dessen philosophisch-mystische Bewegung ins Unendliche, die dem Menschen zwischen \u201eExistenz\u201c und einem \u201eUmgreifenden\u201c (Gott) nur ein verschwindendes Dasein \u00fcbriglasse. Sartres Philosophie habe sich &#8211; bei vollem Respekt f\u00fcr seine Leistung im Widerstand gegen den Nationalsozialismus &#8211; dadurch diskreditiert, dass sie ihre Position als Gegenpol gegen die totalit\u00e4ren Ideologien des 20. Jahrhunderts nicht durchgehalten habe, da Sartre sich selbst zum Marxismus hingezogen f\u00fchlte. Das Grund\u00fcbel des Existentialismus sei jedoch, dass er aus den absurden Ereignissen in der Welt die Absurdit\u00e4t und Sinnlosigkeit der Welt selbst schlie\u00dfe. Der Existentialismus sei ein Indiz f\u00fcr die wachsende Gef\u00e4hrlichkeit der Welt, deren bedr\u00fcckende Probleme den Menschen auch geistig \u201enihilistisch\u201c zu vernichten drohten. Deshalb seien die existentiellen Fragen nach wie vor echt und richtig, aber die existenzphilosophischen L\u00f6sungsangebote unzureichend, da sie den bedr\u00e4ngten Menschen in den \u201eRuinen einer ersch\u00fctterten Welt\u201c mit seinen Entscheidungsproblemen allein lie\u00dfen. Man brauche keine Existenzphilosophen, sondern existentielle Philosophen, die die \u201eFeuerprobe des Nihilismus\u201c bestehen. Die Existenz m\u00fcsse von einem konstitutiven Prinzip in eine regulative Idee umgewandelt werden.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"w-tabs-section\" id=\"cdc8\"><button class=\"w-tabs-section-header\" aria-controls=\"content-cdc8\" aria-expanded=\"false\"><div class=\"w-tabs-section-title\">Der Mensch als antwortendes Wesen<\/div><div class=\"w-tabs-section-control\"><\/div><\/button><div  class=\"w-tabs-section-content\" id=\"content-cdc8\"><div class=\"w-tabs-section-content-h i-cf\"><div class=\"g-cols wpb_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-12 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Entsprechend der Vielseitigkeit der Daseinsebenen des Menschen entwickelt Heinemann eine \u201eResonanzphilosophie\u201c. Der Mensch als ein nat\u00fcrliches, sinnliches, nachdenkendes, fragendes, ethisches, aber auch religi\u00f6ses Wesen stehe als ganzes mit allen Wirklichkeitsebenen in einer Beziehung (Resonanz). Der Mensch m\u00fcsse auf alle an ihn gestellten Herausforderungen reagieren, das hei\u00dft antworten. Deshalb ist die Responsabilit\u00e4t das Grundprinzip der Anthropologie Heinemanns : respondeo, ergo sum (ich antworte , also bin ich ). Krisen des Menschen entst\u00fcnden , wenn der Mensch auf Teilbereiche und Teilantworten reduziert werde, also die Totalresonanz der Partialresonanz geopfert werde. Da Heinemann \u00fcberzeugt ist, dass alle philosophischen Prinzipien letztlich auf philosophischem Glauben beruhen, also nicht vollst\u00e4ndig rational begr\u00fcndbar seien, erstreckt sich sein philosophisches Fragen auch auf die religi\u00f6se Dimension. So unterscheidet er drei Hauptbereiche der Wirklichkeit und des Nachdenkens: Welt, Mensch und Gott.<\/p>\n<p>Die Welt als Natur mit Tieren und Pflanzen kommt bei Heinmann zwar in den Blick, aber der Traum einer umfassenden Naturphilosophie sei ausgetr\u00e4umt, da die Natur uns keinen absoluten Sinn vermitteln k\u00f6nne. Zwar stellt f\u00fcr Heinemann das konkrete Leben ( z.B. der Bauplan einer Eiche) einen Wert dar, so da\u00df schon primitives Leben wertgerichtet und wertvoll sei (gegen Schopenhauer). Alle Interpretationen der Natur gingen aber vom menschlichen Geist aus. Derjenige Mensch, der im Kosmos die \u201eMusik der Sph\u00e4ren\u201c zu h\u00f6ren meine oder die \u201eHarmonie der Zahlen\u201c wiederzufinden glaube, erkenne etwas \u201ewieder\u201c, was nur entfernt mit dem menschlichen Geist selbst verwandt sei, das hei\u00dft, er deute Analogisches in Identisches um.<\/p>\n<p>Der Mensch stehe zwar mit dem Kosmos in Resonanz, habe aber eine herausragende Stellung in der Natur. Hier kn\u00fcpft Heinemann an die Gottesebenbildlichkeit des Menschen an (vgl. 1.Mose 1 ) und verwendet diesen Begriff in einem n\u00fcchternen antiideologischen Sinn. Da Heinemann den Menschen grunds\u00e4tzlich in gef\u00e4hrdende Situationen gestellt sieht, die er als nicht \u00e4nderbare \u201eEntfremdung\u201c bezeichnet, sei die Ver- antwortung (!) des Menschen gefragt. Insbesondere die schrumpfende Weltkugel und das Bev\u00f6lkerungswachstum der Menschheit erforderten eine erweiterte Verantwortlichkeit des Menschen &#8211; auch vor Gott.<\/p>\n<p>Gott ist f\u00fcr Heinemann als Gegenpol zur Welt notwendig, da er die Absolutsetzung des Menschen und der Welt (Vergottung) verhindere und den bedrohlichen Druck der Verh\u00e4ltnisse der Welt auf den Menschen abschw\u00e4che und dem Menschen einen positiven Sinn verleihe. Der Mensch habe nur die Wahl zwischen dem Nichts (der Sinnlosigkeit) oder Gott als \u201eBejahung in h\u00f6chstm\u00f6glicher Form\u201c (positiver Lebensgrund). Heinemann kritisiert seinerseits die atheistische Religionskritik, die &#8211; rein destruktiv verstanden &#8211; fatale Folgen gehabt habe. Mit dem Glauben an Gott sei aber nicht ein \u201eekstatischer Aufschwung\u201c zum transzendenten Einen im Sinne Plotins oder eine mystische Erfahrung gemeint. Die Erfahrung des G\u00f6ttlichen sei auch nicht an eine Religion gebunden. Alle Religionen sollten ihre inneren moralischen Kr\u00e4fte gegen den Nihilismus des 20. Jahrhunderts vereinen, wobei nicht an die Aufl\u00f6sung der Religionen oder an eine utopische Weltreligion gedacht ist. Scharf kritisiert Heinemann dagegen (schon 1957 !) neu aufkommende Ersatzreligionen und \u201eesoterische Sekten\u201c, wobei er Theosophen, Anthroposophen, Spiritisten und \u201eYogis\u201c in einem Zuge nennt. F\u00fcr ihn ist der lebendige Gott der gleiche wie \u201eder Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs\u201c , der den Menschen \u201ein der Tiefe mit \u00fcberstr\u00f6mendem Leben ber\u00fchrt\u201c , was mehr sei als reine Achtung der Menschlichkeit.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"w-separator size_medium\"><\/div><div class=\"g-cols wpb_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-12 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Bisherige Gewinner\/innen des Zechlinpreises am Johanneum:<\/p>\n<p>2003 Harriet Krause, Pablo Burgard<br \/>\n2006 Sandra Pr\u00f6l\u00df<br \/>\n2008 Ellen Fesefeldt, Tobija Sa\u00dfnick<br \/>\n2010 Mirja Hagemann , Martin Sch\u00e4fer<br \/>\n2011 Lea Dehning, Michael Schumacher<br \/>\n2012 Vivian Tian Randhawa, Jonathan Krumstroh<br \/>\n2013 Niels Elsner<br \/>\n2014 Mareike Wandt<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/section><section class=\"l-section wpb_row height_auto\"><div class=\"l-section-h i-cf\"><div class=\"g-cols vc_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-12 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Dass Heinemann hier das geistige Erbe eines liberalen Judentums zur Geltung bringt, d\u00fcrfte ebenso einleuchten wie die Einsicht in die Schwierigkeit einer streng philosophischen Vermittlung dieser Gedanken. Heinemanns Idee einer \u201eLebensgrundwissenschaft\u201c, die das Gemeinsame aller Teilbereiche des menschlichen Forschens und Nachdenkens zur Aufgabe h\u00e4tte, ist schemenhaft und unausgef\u00fchrt geblieben. Man hat vermutet, dass Heinemann die schwierigen Jahre seiner Emigration in seinem Denk- und Schaffensprozess gehemmt h\u00e4tten. Man muss aber feststellen, dass diese Aufgabe auch mehr als 30 Jahre nach Heinemanns Tod zu den kontroversen und ungel\u00f6sten Themen der Philosophie geh\u00f6rt.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Heinemanns Aufmerksamkeit galt besonders der Existenzphilosophie bzw. dem Existentialismus. Er verwendete den Ausdruck \u201eExistenzphilosophie\u201c zum ersten Mal 1929 als Kennzeichnung einer neuen Richtung in der Philosophie, auch wenn er den Begriff selbst nicht pr\u00e4gte. 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