{"id":13947,"date":"2023-07-02T19:57:03","date_gmt":"2023-07-02T17:57:03","guid":{"rendered":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/?page_id=13947"},"modified":"2023-07-02T20:00:42","modified_gmt":"2023-07-02T18:00:42","slug":"ernst-wagemann-detailinformationen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/ernst-wagemann-detailinformationen\/","title":{"rendered":"Ernst Wagemann: Detailinformationen"},"content":{"rendered":"<section class=\"l-section wpb_row height_auto\"><div class=\"l-section-h i-cf\"><div class=\"g-cols vc_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-12 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"w-tabs layout_hor style_default switch_click has_scrolling\" style=\"--sections-title-size:1em\"><div class=\"w-tabs-list items_2 align_none\"><div class=\"w-tabs-list-h\"><button class=\"w-tabs-item active\" aria-controls=\"content-uf20\" aria-expanded=\"false\"><span class=\"w-tabs-item-title\">Wagemann als Konjunkturforscher<\/span><\/button><button class=\"w-tabs-item\" aria-controls=\"content-d650\" aria-expanded=\"false\"><span class=\"w-tabs-item-title\">Wagemann im Nationalsozialismus<\/span><\/button><\/div><\/div><div class=\"w-tabs-sections titles-align_none icon_chevron cpos_right\"><div class=\"w-tabs-section active\" id=\"uf20\"><button class=\"w-tabs-section-header active\" aria-controls=\"content-uf20\" aria-expanded=\"true\"><div class=\"w-tabs-section-title\">Wagemann als Konjunkturforscher<\/div><div class=\"w-tabs-section-control\"><\/div><\/button><div  class=\"w-tabs-section-content\" id=\"content-uf20\"><div class=\"w-tabs-section-content-h i-cf\"><div class=\"g-cols wpb_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-12 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Die Gr\u00fcndung und der Aufbau des &#8222;Instituts f\u00fcr Konjunkturforschung&#8220; in Berlin waren ma\u00dfgeblich das Werk der Pers\u00f6nlichkeit, der Vitalit\u00e4t und des Selbstbewu\u00dftseins von Ernst Wagemann. Dabei bem\u00fchte er sich, Verbesserungsvorschl\u00e4ge aller Mitarbeiter ernst zu nehmen, und f\u00fchrte moderne Formen des Teamworks im Institut ein. Vorbild waren f\u00fcr Wagemann amerikanische Einrichtungen, z.B. das Harvard-Institut, das auf den Theorien von W.C. Mitchell (&#8222;Business Cycles&#8220; 1913) aufbaute und eine Synthese von wirtschaftstheoretisch-<\/p>\n<p>historischen und mathematisch &#8211; statistischen Arbeiten versuchte. Im Unterschied zum damaligen Stand der deutschen Tradition der Krisentheorie, die m\u00f6glichst schnell einen &#8222;Krankheitserreger&#8220; als Ursache in den Konjunkturschwankungen finden wollte, dabei aber oft mit monokausalen Schl\u00fcssen in die Irre lief, legte Wagemann seinen Forschungsansatz weitl\u00e4ufiger an. Er versuchte mit systematischer Empirie zun\u00e4chst ein umfassendes allgemeines Konjunkturbild zu zeichnen, indem er bestimmte (m\u00f6glichst viele) Symptome feststellte (Symptomatologie). Dann wurden die Symptome in Verbindung mit dem Wirtschaftskreislauf gebracht und &#8211; so lautete ein wichtiger Grundsatz Wagemanns- immer im Zusammenhang mit dem weltwirtschaftlichen Gesamtgeschehen analysiert.<\/p>\n<p>Es war die Komplexit\u00e4t moderner nationaler und internationaler Wirtschaftsvorg\u00e4nge, die eine feine und umfassende Methodik der Konjunkturforschung n\u00f6tig machten, was Wagemann oft den Vorwurf des reinen Empirismus einbrachte. Er war aber wissenschaftstheoretisch versiert genug, um einzugestehen, dass jede Empirie auch mit einer Theorie einhergeht. Deshalb sollte auch die Konjunkturforschung nicht &#8222;reine&#8220; Wissenschaft sein, sondern mit den praktischen Bed\u00fcrfnissen der Wirtschaft und der Wirtschaftspolitik verbunden werden. So entwickelte er das &#8222;Konjunkturbarometer&#8220; zur Konjunkturdiagnose und &#8211; prognose und gab regelm\u00e4\u00dfig ein Vierteljahresheft des IfK heraus. Wichtig wurde diese Arbeit besonders in der Weltwirtschaftskrise ab 1929, wenn man sich auch zun\u00e4chst nur einzugestehen vermochte, dass man eine so starke Depression beobachtete, die &#8222;noch niemals zuvor beobachtet werden konnte&#8220;. Die Diagnosen, die das IfK in seinen Berichten stellte, waren niederschmetternd, z.B. 1930: &#8222;Das Warten auf die heilenden Kr\u00e4fte der Depression hat seinen Sinn verloren&#8220;.<\/p>\n<p>Im Januar 1932 wurden Wagemann und mit ihm f\u00fchrende Vertreter der Wirtschaft aktiv. Er schlug vor, ein Kreditsystem aufzubauen, das in der Lage w\u00e4re in dieser Krise zu helfen. Der sogenannte &#8222;Wagemann-Plan&#8220; sah im Gegensatz zur Regierung Br\u00fcning eine Ausweitung der Geldmenge vor und erhielt prompt harsche Kritik f\u00fcr sein &#8222;anarchistisches Inflationsprogramm&#8220; und diese &#8222;vor\u00fcbergehende Geldanarchie&#8220; (Dt. Volkswirt, 1932 1.Hj.). Aus Angst vor einem weiteren Vertrauensverlust des Auslands bei einer Kreditexpansion in Deutschland verdammten 32 deutsche National\u00f6konomen im M\u00e4rz 1932 \u00f6ffentlich Wagemanns Plan. Die Umsetzung des Plans lie\u00df sich nicht verwirklichen. Immerhin stellte das IfK im Dezember 1932 das Ende der Depression fest,was Hitler allerdings sp\u00e4ter nicht hinderte zu behaupten, er habe durch seine Ma\u00dfnahmen die Depression beendet.<\/p>\n<p>Ausgerechnet im Jahre 1933 wurde nun dem IfK eine Namens\u00e4nderung von oben befohlen, n\u00e4mlich &#8222;Deutsches Institut f\u00fcr Wirtschaftsforschung&#8220; . Wagemann begab sich auf eine gewisse innere Distanz zur Arbeit des Instituts. Er schrieb seine B\u00fccher eher selbst, floh in die Statistik und ihre Grenzgebiete (z.B. &#8222;Narrenspiegelder Statistik&#8220; 1935). Seine positive Beurteilung der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik bis 1940 zeigt aber, dass er sich dem Druck des Nationalsozialismus nicht entziehen konnte (vgl. sein Buch &#8222;Wo kommt das viele Geld her? D\u00fcsseldorf 1940). Erst ab 1941 ging er auf Distanz zum Nationalsozialismus. Seine Werke, die er nach 1945 schrieb, zeigen ein Verantwortungsbewu\u00dftsein f\u00fcr Fragen, die die ganze Welt betreffen.<\/p>\n<p>Hauptwerke Ernst Wagemanns:<br \/>\nAllgemeine Geldlehre (1923); Konjunkturlehre (1928); Einf\u00fchrung in die Konjunkturlehre (1929); Struktur und Rhythmus der Weltwirtschaft (1931); Narrenspiegel der Statistik (1935, 1950\u00b3); Die Zahl als Detektiv (1938,1952\u00b2); Menschenzahl und V\u00f6lkerschicksal (1949); Ber\u00fchmte Denkfehler der National\u00f6konomie(1951); Welt von morgen (1953); Wagen, W\u00e4gen, Wirtschaften (1954, 1955\u00b2).<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"w-tabs-section\" id=\"d650\"><button class=\"w-tabs-section-header\" aria-controls=\"content-d650\" aria-expanded=\"false\"><div class=\"w-tabs-section-title\">Wagemann im Nationalsozialismus<\/div><div class=\"w-tabs-section-control\"><\/div><\/button><div  class=\"w-tabs-section-content\" id=\"content-d650\"><div class=\"w-tabs-section-content-h i-cf\"><div class=\"g-cols wpb_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-12 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Am 17.3. 1933 wurde Wagemann aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7.4. 1933 als Pr\u00e4sident des Statistischen Reichsamtes zwangsbeurlaubt und am 17.7. 1933 endg\u00fcltig in den Ruhestand versetzt. Ihm wurde am 28.7. 1933 eine Stelle eines Regierungsrates der Besoldungsgruppe A 2 c beim Reichswirtschaftsministerium zugewiesen. Die Entlassung als Pr\u00e4sident des Statistischen Reichsamtes ist wohl auf eine Denunziation der nationalsozialistischen Betriebszelle des Statist. Reichsamtes zur\u00fcckzuf\u00fchren, die Wagemanns schwer zu bestimmende und damit unzuverl\u00e4ssige politische Haltung als Begr\u00fcndung f\u00fcr seine Untragbarkeit nennt. Die bereits verf\u00fcgte Entlassung als Leiter des Instituts f\u00fcr Konjunkturforschung (IfK) wurde dagegen wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht. Am 1. Mai 1933 trat Wagemann wohl aus opportunistischen Erw\u00e4gungen in die NSDAP ein, machte sich aber 1936 mit einer negativen Konjunkturprognose nicht gerade beliebt, da diese dem ideologischen Optimismus der nationalsozialistischen Regierung widersprach. Ab 1939 wurde das IfK kriegsbedingt mit dem R\u00fcstungsministerium zur zentralen Leitstelle der R\u00fcstungsplanung und Kriegswirtschaft. Es stellt sich die Frage, wie Wagemann die Wirtschafts- und R\u00fcstungspolitik des Nationalsozialismus von 1933 bis zum damaligen Zeitpunkt beurteilt hat.<\/p>\n<p>In seiner Monografie \u201eWo kommt das viele Geld her? Geldsch\u00f6pfung und Finanzlenkung in Krieg und Frieden\u201c (V\u00f6lkischer Verlag D\u00fcsseldorf 1940) \u00e4u\u00dfert sich Wagemann zum Problem, wie es die nationalsozialistische Regierung geschafft hat, die f\u00fcr den 2. Weltkrieg n\u00f6tigen Finanzen zu beschaffen und ob die deutsche Wirtschaft die Belastungen durch den Krieg verkraftet. Wagemann ist der Auffassung, die deutsche Wirtschaft sei auf stabile Grundlagen gebaut und die Kriegskosten seien solide finanziert. Er nennt folgende Gr\u00fcnde f\u00fcr seine Ansicht.<\/p>\n<p>Seit 1933 habe es ein starkes Wirtschaftswachstum und einen Konjunkturaufschwung gegeben, den kaum ein Experte f\u00fcr m\u00f6glich gehalten habe (aaO. S. 10f). Er res\u00fcmiert die wirtschaftliche Entwicklung im 1. Weltkrieg und die Inflation 1923 mit den finanzpolitischen Fehler der damaligen Regierungen, den Aufschwung 1925-1929 und die Weltwirtschaftskrise, die er haupts\u00e4chlich durch die internationale Kreditverflechtung verursacht sieht (S. 58). Er geht kurz auf den Wagemann-Plan ein, den die damalige Weimarer Regierung mit falschen Argumenten abgelehnt habe. Die politische F\u00fchrung des Nationalsozialismus dagegen habe die notwendige \u201eKraft und Einsicht\u201c zum Reformwerk gefunden, das Geld- und Kreditwesen auf neue Grundlagen zu stellen (S.63). Der Nationalsozialismus sei nach der Machtergreifung mit \u201ejugendfrischer Kraft\u201c an die L\u00f6sung der Probleme der Wirtschaftskrise herangegangen, vergleichbar mit einem frischen Luftzug, der in ein muffiges Krankenzimmer hereingestr\u00f6mt sei (S.64). Der Nationalsozialismus habe im Gegensatz zur liberalistisch orientierten Gesch\u00e4ftswelt klar seine Pflichten erkannt. Der rasante Abbau der Arbeitslosigkeit von 6 Mio 1932 auf 2,5 Mio 1935 sei so beeindruckend, dass sogar Fachleute nachfragten, ob die Zahlen nicht gesch\u00f6nt seien (S.65). Der Staat habe wie ein strenger \u201eweitblickender Vater\u201c gehandelt, die Staatsauftr\u00e4ge massiv ausgeweitet und die Schuldenlast \u00fcbernommen (S.68). Wagemann erkennt richtigerweise, dass die Ankurbelung der Wirtschaft durch die Wiederaufr\u00fcstung und den Vierjahresplan von 1936 geschah (S. 70). (Zum Ausbruch des 2. Weltkrieges verliert Wagemann allerdings kein Wort). Er nennt das neue Notenbankgesetz vom 15.6. 1939 einen Markstein in der Finanzpolitik (S.79).<\/p>\n<p>Obwohl man wegen der \u00c4hnlichkeit des Wagemann-Plans mit der keynesianischen antizyklischen Finanzpolitik vermuten k\u00f6nnte, Wagemann stehe Keynes\u2019 Konzept nahe, wird man von ihm belehrt, dass er Keynes trotz einiger wertvoller Anregungen nicht dem wissenschaftlichen Nachwuchs in Deutschland empfehlen k\u00f6nne. Keynes\u2019 Handlungsanweisungen seien praktisch kaum n\u00fctzlich, da sie auf eine liberalistisch- individualistische Wirtschaftsverfassung zugeschnitten seien (S. 83-85). Das deutsche Modell der Wirtschaftslenkung bezeichnet er als \u201eTotalit\u00e4t des Handelns\u201c und verdeutlicht es mit seinem \u201eUhrengleichnis des Finanzierungssystems\u201c (S.86ff). Die Geldsch\u00f6pfung ist f\u00fcr Wagemann das Triebwerk und die staatliche Lenkung von Produktion und Verbrauch der Regulator der Wirtschaft. Er lobt die nationalsozialistische Regierung daf\u00fcr, dass sie Produktion auf das Wachstums des \u00f6ffentlichen Sektors umstellte, und h\u00e4lt das Wachstum der Reichsschuld zur Kriegsfinanzierung f\u00fcr bescheiden (S. 118). Er rechnet insgesamt mit der Theorie des Wirtschaftsliberalismus ab und stimmt das Loblied der zentralen Steuerung der Volkswirtschaft an. Das derzeitige deutsche Finanzierungssystem sei sogar die \u201evollendetste Konstruktion\u201c, die auf diesem Gebiet jemals erdacht worden sei (S.119-121). Er bef\u00fcrwortet die finanzielle Abschottung Deutschlands gegen die \u201eZ\u00fcgellosigkeit der vagabundierenden Kapitalbewegungen\u201c auf den internationalen Finanzm\u00e4rkten und rechtfertigt die Autarkie Deutschlands besonders im Finanzbereich. Den Lohn- und Preisstop von 1936 begr\u00fcndet er u.a. mit den Worten des F\u00fchrers, es d\u00fcrfe im Krieg keine \u201eKriegsgewinnler\u201c geben. Die Umstellung der Wirtschaft auf den Kriegsbedarf wird nicht hinterfragt. Die wachsende Staatsverschuldung von 10 Mrd Reichsmark sei vom deutschen Staat \u201espielend\u201c aufzubringen (S.150), der englische Staat dagegen schaffe das nicht, weil England keine \u201eautorit\u00e4re Staatf\u00fchrung\u201c habe (S.156). Die F\u00fchrung des deutschen \u201eVolksstaates\u201c habe kein anderes Ziel als der ganzen Nation- und nicht nur einer kleinen Bev\u00f6lkerungsschicht- zu dienen: \u201estaatsm\u00e4nnische Verantwortung\u201c statt \u201ekaufm\u00e4nnischer Gewinnorientierung\u201c (S.159). Am Ende des Buches zitiert Wagemann den Reichswirtschaftminister Funk mit den Worten: \u201e&#8230;Wir verzichten auf einen billigen Optimismus, wohl aber besitzen wir im Vertrauen auf unseren F\u00fchrer die Gewissheit, diesen Kampf sicher und siegreich durchzustehen\u201c (S.160).<\/p>\n<p>Zusammenfassend kann man vermuten, dass Wagemann von den wirtschaftlichen Ma\u00dfnahmen und den Erfolgen der NS-Regierung 1933-39 stark beeindruckt worden ist und von ihren ideologischen Begr\u00fcndungen ehrlich \u00fcberzeugt gewesen sein muss. Das gilt in Bezug auf die autorit\u00e4re politische F\u00fchrung, in Bezug auf die Wirtschaftslenkung, die antikapitalistische bzw. antiliberalistische Politik und die Volksgemeinschaftsideologie. Deutlich grenzt er sich gegen die englische Demokratie ab, die keine solchen Leistungen wie das deutsche Reich unter NS-F\u00fchrung zustande gebracht habe. Dabei nimmt er offensichtlich den Krieg Hitlers zun\u00e4chst in Kauf, rechtfertigt ihn aber nicht. Zwar findet sich nichts Antisemitisches, Rassistisches und keine Blut- und Bodenideologie, aber zusammen mit einer geh\u00f6rigen Portion Opportunismus scheint Wagemann zumindest bis 1940 doch mehr als ein Mitl\u00e4ufer gewesen zu sein.<\/p>\n<p>1941 hielt Wagemann in Pressburg (Bratislava) eine Rede, in der er zum ersten Mal die nationalsozialistische Politik ablehnte, so dass der deutsche Gesandte dem Ausw\u00e4rtigen Amt dar\u00fcber berichtete. Im Sommer 1943 machte er auf einer Tagung einer Zweigstelle des IfK in Braunschweig nach einer Rede Bemerkungen \u00fcber die Unvermeidlichkeit eines R\u00fcckzugs Deutschlands aus Russland. Diese \u00c4u\u00dferung f\u00fchrte zu einem staatspolitischen Verfahren gegen Wagemann, in dem er zu vier Wochen Einzelhaft verurteilt wurde. Eine weitergehende Forderung Himmlers f\u00fcr eine halbj\u00e4hrige KZ-Haft kam nicht zur Durchf\u00fchrung, m\u00f6glicherweise durch Einwirkung einflussreicher Freunde Wagemanns. Bis zum Ende des Krieges 1945 sind keine weiteren oppositionellen \u00c4u\u00dferungen Wagemanns bekannt.<\/p>\n<p>Wagemann stellte 1952 wegen entgangener Pensionsanspr\u00fcche (durch die Entlassung als Pr\u00e4sident des Statistischen Reichsamtes 1933 ) einen Wiedergutmachungsantrag als \u201eVerfolgter des NS-Regimes\u201c, der 1954 im zweiten Anlauf nach einer Klage Wagemanns gegen die vorherige Ablehnung positiv entschieden wurde. Wagemann wird dabei auch zugute gehalten, dass er Personen in seinem Institut besch\u00e4ftigte, die dem Nationalsozialismus aus politischen oder \u201erassischen\u201c Gr\u00fcnden eigentlich nicht genehm sein konnten, z.B. den j\u00fcdischen Professor Eulenberg, der dann tats\u00e4chlich von der Gestapo abgeholt wurde und wenig sp\u00e4ter an den Folgen der Haft starb. Au\u00dferdem bezeugten Freunde Wagemanns, dass er Kontakte zu Personen gehabt habe, die zum Verschw\u00f6rerkreis des 20. Juli 1944 geh\u00f6rten und ihnen wirtschaftspolitisches Material \u00fcberlassen habe. Dass Wagemann in seinem Antrag angab, schon ab 1933 den Nationalsozialismus von vornherein auf das sch\u00e4rfste abgelehnt zu haben und nur nominell Mitglied der NSDAP gewesen zu sein, ist allerdings aus heutiger Sicht nur schwer nachzuvollziehen.<\/p>\n<p>Literatur:<br \/>\nPickhardt, Thomas: Bev\u00f6lkerungsdichte und sozialer Wandel, Ernst Wagemanns demodynamisches Alternationsgesetz- Entstehung, Rezeption, G\u00fcltigkeit, Tectum Verlag, Reihe Sozialwissenschaften Bd. 35 Marburg 2010<br \/>\nWagemann, Ernst: \u201eWo kommt das viele Geld her? Geldsch\u00f6pfung und Finanzlenkung in Krieg und Frieden\u201c, V\u00f6lkischer Verlag D\u00fcsseldorf 1940<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"w-separator size_medium\"><\/div><div class=\"g-cols wpb_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-12 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Bisherige Gewinner\/innen des Zechlinpreises am Johanneum:<\/p>\n<p>2003 Harriet Krause, Pablo Burgard<br \/>\n2006 Sandra Pr\u00f6l\u00df<br \/>\n2008 Ellen Fesefeldt, Tobija Sa\u00dfnick<br \/>\n2010 Mirja Hagemann , Martin Sch\u00e4fer<br \/>\n2011 Lea Dehning, Michael Schumacher<br \/>\n2012 Vivian Tian Randhawa, Jonathan Krumstroh<br \/>\n2013 Niels Elsner<br \/>\n2014 Mareike Wandt<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wagemann als KonjunkturforscherWagemann im NationalsozialismusWagemann als KonjunkturforscherDie Gr\u00fcndung und der Aufbau des &#8222;Instituts f\u00fcr Konjunkturforschung&#8220; in Berlin waren ma\u00dfgeblich das Werk der Pers\u00f6nlichkeit, der Vitalit\u00e4t und des Selbstbewu\u00dftseins von Ernst Wagemann. Dabei bem\u00fchte er sich, Verbesserungsvorschl\u00e4ge aller Mitarbeiter ernst zu nehmen, und f\u00fchrte moderne Formen des Teamworks im Institut ein. Vorbild waren f\u00fcr Wagemann amerikanische...","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-13947","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/13947","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13947"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/13947\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13948,"href":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/13947\/revisions\/13948"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}