{"id":13927,"date":"2023-07-02T15:30:47","date_gmt":"2023-07-02T13:30:47","guid":{"rendered":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/?page_id=13927"},"modified":"2023-07-02T15:34:11","modified_gmt":"2023-07-02T13:34:11","slug":"hermann-gunkel-detailinformationen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/hermann-gunkel-detailinformationen\/","title":{"rendered":"Hermann Gunkel: Detailinformationen"},"content":{"rendered":"<section class=\"l-section wpb_row height_auto\"><div class=\"l-section-h i-cf\"><div class=\"g-cols vc_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-12 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"w-tabs layout_hor style_default switch_click has_scrolling\" style=\"--sections-title-size:1em\"><div class=\"w-tabs-list items_1 align_none\"><div class=\"w-tabs-list-h\"><button class=\"w-tabs-item active\" aria-controls=\"content-p2a9\" aria-expanded=\"false\"><span class=\"w-tabs-item-title\">Ein Meilenstein in der historisch- kritischen Erforschung der Bibel<\/span><\/button><\/div><\/div><div class=\"w-tabs-sections titles-align_none icon_chevron cpos_right\"><div class=\"w-tabs-section active\" id=\"p2a9\"><button class=\"w-tabs-section-header active\" aria-controls=\"content-p2a9\" aria-expanded=\"true\"><div class=\"w-tabs-section-title\">Ein Meilenstein in der historisch- kritischen Erforschung der Bibel<\/div><div class=\"w-tabs-section-control\"><\/div><\/button><div  class=\"w-tabs-section-content\" id=\"content-p2a9\"><div class=\"w-tabs-section-content-h i-cf\"><div class=\"g-cols wpb_row via_flex valign_top type_default stacking_default\"><div class=\"vc_col-sm-3 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p><a ref=\"magnificPopup\" href=\"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/gunkel.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-13928\" src=\"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/gunkel-219x300.jpg\" alt=\"\" width=\"219\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/gunkel-219x300.jpg 219w, https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/gunkel-85x116.jpg 85w, https:\/\/johanneum-lueneburg.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/07\/gunkel.jpg 240w\" sizes=\"auto, (max-width: 219px) 100vw, 219px\" \/><\/a><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div class=\"vc_col-sm-9 wpb_column vc_column_container\"><div class=\"vc_column-inner\"><div class=\"wpb_wrapper\"><div class=\"wpb_text_column\"><div class=\"wpb_wrapper\"><p>Hermann Gunkel geh\u00f6rte der so genannten &#8222;Religionsgeschichtlichen Schule&#8220; an, einer Forschungsrichtung einer Gruppe von jungen evangelischen Theologen, die sich um 1890 vorwiegend in G\u00f6ttingen habilitierten. Dazu geh\u00f6rten zum Beispiel Johannes Wei\u00df, Wilhelm Bousset, Ernst Troeltsch, William Wrede und Rudolf Otto. Unter Aufnahme von philologischen und altertumswissenschaftlichen Ans\u00e4tzen traten sie f\u00fcr einen radikalen Historismus in der theologischen Forschung ein. Durch Vergleiche mit heidnischen Religionen aus der zeitgen\u00f6ssischen Umwelt der Bibel konnten babylonische, persische und hellenistische Einfl\u00fcsse auf alt- und neutestamentliche Texte und nachgewiesen werden.<\/p>\n<p>Gunkel \u00fcbernahm die religionsgeschichtliche Methode und die schon praktizierte Literar- und Quellenkritik, die bereits die verschiedenen Quellenschichten und Bearbeitungen der 5 B\u00fccher Mose (Pentateuch) erkannt hatte (Wellhausen). Er erweiterte die historisch- kritische Erforschung des Alten Testamentes aber um ein weiteres Instrument und kann als Begr\u00fcnder der &#8222;Form &#8211; und Gattungsgeschichtliche Methode&#8220; f\u00fcr das Alte Testament gelten. Er untersuchte die Form der Texte, das hei\u00dft ihre Eigenart, sprachliche Besonderheit und ihren Aufbau. Erstmals praktizierte er diese Methode in seinem Erstlingswerk &#8222;Sch\u00f6pfung und Chaos in Urzeit und Endzeit (1895). Er untersuchte den altorientalischen Sch\u00f6pfungsmythos &#8222;Enuma-Elisch&#8220;, Genesis (1.Mose) Kap.1,1 &#8211; 2,4a und Offenbarung Kap. 12 . Er entdeckte, dass alle diese Texte eine \u00e4hnliche Form hatten, so dass man sieaufgrund der formalen Verwandtschaft einer literarischen &#8222;Textfamilie&#8220; (Gattung) zuordnen konnte. Gunkel ging von der Voraussetzung aus, dass jede literarische Gattung einen spezifischen &#8222;Sitz im Leben&#8220; hat und fragte nun nach dem &#8222;Sitz im Leben&#8220; bestimmter biblischer Texte. Gemeint ist nicht eine historische Situation, die der Text erz\u00e4hlt, sondern in welcher Situation und bei welcher Gelegenheit der Text verwendet wurde.<\/p>\n<p>Zur Veranschaulichung k\u00f6nnen hier Beispiele aus der Musik herangezogen werden. Wenn man verschiedene Arten von Musik h\u00f6rt, z. B. einen Marsch, ein Requiem oder einen Walzer, l\u00e4sst sich die Frage nach dem &#8222;Sitz im Leben&#8220; dieser Musikst\u00fccke leicht bestimmen. Ein Marsch eignet sich vorz\u00fcglich zum Marschieren und geh\u00f6rt als Begleitmusik zu einer Milit\u00e4rparade; ein Requiem ist f\u00fcr eine Totenmesse geschrieben, w\u00e4hrend ein Walzer w\u00e4hrend eines festlichen Tanzabends gespielt wird. Entsprechend kann man Textformen, denen man im Alltag begegnet, spezifische Verwendungszwecke zuordnen. Einem Redetext wird man den dazu passenden Anlass etwa eine Gedenkfeier zuordnen; zu einer Gebrauchsanleitung geh\u00f6rt die Inbetriebnahme eines technischen Ger\u00e4tes und ein geschriebener Dialog wird auf der Theaterb\u00fchne oder in einem Film dargeboten.<\/p>\n<p>Hermann Gunkel bestimmte die Sch\u00f6pfungsgeschichte 1.Mose 1,1 &#8211; 2. 4a formgeschichtlich als &#8222;Hymnus&#8220;, im Unterschied zum eher ausmalenden orientalischen Erz\u00e4hlstil der zweiten Sch\u00f6pfungsgeschichte in 1.Mose 2, 4bff. Ihm war aufgefallen, dass die sehr schematische und gegliederte Darstellung in Kapitel 1 eher an ein Lied mit Strophen und Refrain erinnerte: Gott sagt, dass etwas entstehen soll, dann geschieht es; Gott sah, dass es gut war und entsteht aus Abend und Morgen ein neuer Tag. Hymnen wurden von einer Gruppe von Menschen teils unter Begleitung durch Musikinstrumente vorgetragen oder gesungen. Es handelt sich bei der Sch\u00f6pfungsgeschichte 1. Mose 1 also nicht in erster Linie um einen Bericht, wie die Erschaffung der Welt sich wirklich abgespielt haben mochte, sondern um ein in einem Gottesdienst festlich dargebotenes Loblied, in dem die anwesende Gemeinde des sich im babylonischen Exil befindenden Judentums (um 550 v.Chr.) sich ihres Glaubens vergewisserte, diesen bekannte und festigte.<\/p>\n<p>Die Religionsgeschichtliche Schule und Gunkel sorgten f\u00fcr gen\u00fcgend Z\u00fcndstoff und Impulse in der theologischen Auseinandersetzung auch unter den Neutestamentlern. Immerhin behauptete Gunkel , das Christentum sei eine synkretistische Religion, d.h. durch Vermischung mit heidnischen Anschauungen entstanden (Zum religionsgeschichtlichen Problem des NT, FRLANT 1, G\u00f6ttingen 1903). In dieser These sahen viele die Gefahr einer Relativierung des Christentums, obwohl Gunkel gerade Jesus als Person als etwas Eigenst\u00e4ndiges ansah. Gunkel beteiligte sich aber am Versuch der Aufkl\u00e4rung der Bev\u00f6lkerung \u00fcber religionsgeschichtliche Zusammenh\u00e4nge ohne jede dogmatische Zw\u00e4nge oder Glaubenstraditionen durch verschiedene Ver\u00f6ffentlichungen. Mit Buchreihen wie &#8222;Religionsgeschichtliche Volksb\u00fccher&#8220; und dem Lexikon &#8222;Die Religion in Geschichte und Gegenwart&#8220; RGG, heute ein Standardwerk f\u00fcr jeden Theologen, wollte man christlich- religi\u00f6se Volksaufkl\u00e4rung und kritisches Verstehen bei gebildeten Laien anregen. Von der Reihe &#8222;Die Schriften des Neuen Testaments neu \u00fcbersetzt und f\u00fcr die Gegenwart erkl\u00e4rt&#8220; , der sogenannten &#8222;Gegenwartsbibel&#8220; oder auch &#8222;Ketzerbibel&#8220; , wurden bis 1928 etwa 27.000 St\u00fcck verkauft.<\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><\/section>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Meilenstein in der historisch- kritischen Erforschung der BibelEin Meilenstein in der historisch- kritischen Erforschung der Bibel Hermann Gunkel geh\u00f6rte der so genannten &#8222;Religionsgeschichtlichen Schule&#8220; an, einer Forschungsrichtung einer Gruppe von jungen evangelischen Theologen, die sich um 1890 vorwiegend in G\u00f6ttingen habilitierten. 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